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EINFÜHRENDE GEDANKEN

 

Entscheiden im Informationszeitalter

Prof. Dr. Hermann Hill/ Assessorin Andrea Nesseldreher mag. rer. publ.

 

Der Wandel vom Industriezeitalter zum Informationszeitalter zeichnet sich vor allem durch einen veränderten Umgang mit Wissen und Informationen aus, die als Ressourcen neben Arbeit und Kapital immer größere Bedeutung erlangen. Moderne Informations- und Kommunikationstechnologien, insbesondere das Internet, ermöglichen schnelle, weltweite Verbreitung von Informationen und den globalen Zugriff auf Wissensbestände. Gleichzeitig verringert sich jedoch auch die Halbwertszeit von Informationen drastisch, neues Wissen muss immer schneller generiert werden und verfügbar sein. Aus dieser Entwicklung ergeben sich jedoch auch enorme Schwierigkeiten beim Umgang mit Informationen. War es früher einmal schwierig und mühsam, überhaupt an Informationen zu gelangen, so liegt die Schwierigkeit heute darin, das tatsächlich benötigte Wissen aus dem großen Wissenspool heraus zu filtern, und relevantes von irrelevantem zu unterscheiden.

Auch die Verwaltung ist Bestandteil unserer heutigen Informations- und Wissensgesellschaft und sie ist von dieser Entwicklung in besonderem Maße betroffen, denn Informationen und daraus generiertes Wissen waren für die Verwaltung schon seit jeher von enormer Bedeutung. Als Grundlage für Verwaltungsentscheidungen werden rechtliche ebenso wie fallspezifische oder auch technische Informationen benötigt, deren Vollständigkeit und Aktualität Voraussetzungen für eine „gute“, also vor allem eine rechtmäßige und richtige Entscheidung sind.

Gerade in der Verwaltung ist der einzelne Entscheider jedoch zusehends einer Flut von ungefilterten Informationen aus unterschiedlichen Kanälen (z.B. Post, Telefon, Fax, Akteninhalte, e-mail und nicht zuletzt das Internet) ausgesetzt.  Aus der verfügbaren Menge an Informationen diejenigen Daten herauszulesen die für eine bestimmte Verwaltungsentscheidung relevant sind, kostet Mühe und Zeit. Die Verwaltung muss sich daher den veränderten Bedingungen anpassen und sich für neue Möglichkeiten im Umgang mit Wissen öffnen.

Ziel des neuen Projektes ist es, Möglichkeiten einer verbesserten Entscheidungsfindung in der Verwaltung zu erforschen. Dies geschieht zum einen durch die Weiterentwicklung der bislang stark juristisch geprägten verwaltungswissenschaftlichen Entscheidungslehre unter Einbeziehung  neuer Erkenntnisse der Kognitionswissenschaften . Weiterhin soll  untersucht werden, auf welche Weise der Entscheidungsfindungsprozess innerhalb der Verwaltung durch neue Technologien und Software unterstützt werden kann. Ausdrückliche Beachtung finden dabei die Besonderheiten der juristischen Dogmatik bei Entscheidungen mit Ermessens- oder Beurteilungsspielraum.

Es gibt verschiedene Ansatzpunkte für eine elektronische Entscheidungsunterstützung.

  • Bei der Sachverhaltsermittlung können spezielle Suchmaschinen sowohl im Internet als auch in verwaltungseigenen Wissensbeständen relevante Informationen herausfiltern.

  • Dokumentenmanagement- und Wissensmanagementsysteme erleichtern die Bereitstellung und Verwaltung von bereits vorhandenem, verwaltungsinternen Wissen in Form von Akten und Archiven, sofern diese digitalisiert sind.

  • Suchmethoden wie Data Mining und Text Mining erleichtern den Zugriff und das Wiederauffinden gespeicherter Daten.

  • Im Rahmen von Ermessensentscheidungen, die Interessenabwägungen erforderlich machen, können spezielle Softwaretools bei der Alternativenbewertung und -auswahl unterstützen

  • Nicht zuletzt besteht die Möglichkeit, auch die Öffentlichkeitsbeteiligung, z. B. bei planungsintensiven Großvorhaben und den vorangehenden Genehmigungsverfahren, mit Hilfe elektronischer Werkzeuge abzuwickeln.

Auf diese Weise sollen Verwaltungsentscheidungen „besser“, das bedeutet rationaler, transparenter und nachvollziehbarer, gemacht werden. Dies trägt zum einen dem Gebot der Rechtsstaatlichkeit Rechnung und sorgt zum anderen für einen erhöhte Akzeptanz der Verwaltungsentscheidung seitens der betroffenen Bürger.

Auf der Grundlage der Erkenntnisse aus dem Projekt sollen schließlich die Verwaltungsverfahrensgesetze im Hinblick auf technische Neuerungen ergänzt werden.

 



Forschungsprojekt: Entscheiden im Informationszeitalter
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